Kolumne März 2022
Wie schnell sich unsere gesellschaftlichen Prioritäten verändert haben. Der Ukraine-Krieg hat alles andere in den Hintergrund gedrängt. Die Sorge um Corona und weitere Themen wie Impfung, Booster oder Impfpflicht scheinen an Bedeutung verloren zu haben. Das ist seit einigen Tagen bei allen Bürgern Europas zu beobachten. Durch die russische Invasion in die Ukraine ist in der Weltbevölkerung ein Solidaritätsgefühl entstanden, wie man es seit Jahrzehnten nicht mehr erlebt hat. Alle sind gegen Putin! Ob Impf-Gegner oder -Befürworter – selbst die „Wutbürger“ finden nun eine neue Möglichkeit, ihre Aggressionen zu zeigen und dabei dennoch etwas Gutes zu bewirken. Das klingt vielleicht sarkastisch, doch im Moment sind wir alle kurzzeitig Ukrainer. Seit zwei Jahren sind die Diskussionen für oder gegen Impfungen ein fester Teil unserer Kommunikation – und ganz ehrlich – das ist zwar anstrengend, aber sie gehören zu unserer freien Demokratie. Verglichen mit den Bildern aus der Ukraine sollten wir eigentlich alle zufrieden sein.
Seit Corona in unserer Welt präsent ist, genauer seit dem Impfen, gibt es eine Spaltung in der Gesellschaft. Die Debatten über Corona haben Freundschaften zerstört und Familien auseinandergebracht. Unser Land ist gespalten, und derzeit prägt Deutschland ein „Jeder-kennt-einen-Syndrom“. Unabhängig von der jeweiligen Mehrheit kennt jeder jemanden, der seltsame Dinge sagt oder postet und sich am Ende als Impfgegner zeigt. Vielleicht eröffnet die Situation des Ukraine-Krieges zusammen mit den inzwischen sinkenden Corona-Inzidenzen die Chance, diesen Riss in der Bevölkerung etwas zu heilen. Impfgegner argumentieren unter anderem, sie stünden auf der Seite der Schwachen, was ebenfalls ein Grund für ihre Impfresistenz sei. Auch wenn ein solches Argument als Bullshit-Asymmetrie bezeichnet wird, sollte man nicht versuchen, es zu widerlegen. Soziologen empfehlen eine Art Nichtangriffspakt, um eine weitere Polarisierung zu vermeiden. Eine solche Möglichkeit gibt es etwa zwischen Gorillas und Schimpansen in der freien Wildbahn. Dort würden die Lager gar nicht erst aufeinandertreffen. Jeder bliebe unter sich und müsste sich keinen Zwang auferlegen, denn man weiß: Alle denken wie ich. Das wäre ein Traum!
Doch Dat Glück, dat’n söcht, is nich jümmers dat Glück, dat’n findt. (Das Glück, das man sucht, ist nicht stets das Glück, das man findet – ähnlich wie: Der Mensch denkt und Gott lenkt).
Nun hoffen und beten wir gemeinsam für Frieden und die Freiheit zur Selbstbestimmung der Menschen in der Ukraine. Weitere Lockerungen der Corona-Regeln und die Forderungen aus dem Freedom-Day-Diskurs sind dagegen weniger wichtig.
Dieses Corona-Tagebuch ist Erinnerung und zugleich Epilog.
Zwei Jahre Pandemie
27.01.2020: Erster bestätigter Corona-Fall in Deutschland
15.02.2020: Während der Kappensitzung im Karnevalsverein Gangelt
infizierte sich beinahe die Hälfte der dort Feiernden.
Das Virus gelangt in Deutschland an die Öffentlichkeit.
22.03.2020: Der erste Lockdown beginnt.
04.04.2020: Höhepunkt der ersten Welle.
24.12.2020: Höhepunkt der zweiten Welle.
26.12.2020: In Deutschland findet die erste Impfung statt.
25.04.2021: Höhepunkt der dritten Welle.
10.12.2021: Bundeskanzler Olaf Scholz beruft einen Corona-Expertenrat ein.
10.02.2022: Zeitweiliger Höhepunkt der vierten Welle.
20.03.2022: Ein Großteil der Corona-Maßnahmen soll wegfallen.