Kolumne Dezember 2020

Wie oft habe ich – wahrscheinlich wie viele andere auch – nach dem trüben November den Dezember herbeigesehnt: Es ist Advent und wir alle warten auf die frohe Botschaft – endlich Licht nach so viel Regenwetter und den Trauertagen. Lichter der Hoffnung und Zuversicht, die mit Weihnachten seinen Höhepunkt erreichen. Kein Wunder, dass es einige gar nicht abwarten konnten, ihre Adventsbeleuchtung schon vor dem Ewigkeits-(Toten)-Sonntag einzuschalten, speziell da in diesem Jahr alles anders ist. Natürlich ist am 6. Nikolaus und am 24. Dezember Heiligabend, aber ob der Weihnachtsmann die Geschenke bringen wird, scheint fraglich. Denn die Corona-Pandemie hat die vorweihnachtliche Planung sowohl geschäftlich wie auch in der Familie – zumindest teilweise – zunichte gemacht. Wir alle folgen in diesem Jahr nicht dem Stern der Verkündigung sondern eher den gesetzlichen Maßnahmen der Corona-Taskforce, die sich entsprechend der Fallzahlen ändern. Alles, was für uns in den letzten Jahren so selbstverständlich war und ab und zu mal auch genervt hat, gibt es in diesem Jahr nicht: Keine Weihnachtsfeiern in den Firmen mit Julklapp oder Wichteln, keine Advents-oder Weihnachtsmärkte, für die Kinder keine Weihnachtsmärchen im Theater usw. Auch wenn es in den digitalen Medien dafür sehr viele Vorschläge gibt, auf diesem Weihnachtszug aufzuspringen „Beter wat as gor nix (Besser etwas als gar nichts).“ Das gilt sicherlich eher für die jüngeren Generationen, denn die Älteren haben in dieser Zeit andere Themen, wie z.B. die Sorge um sich selbst und die Angst jemand aus Familie oder im Freundeskreis anzustecken – denn alles andere ist für uns nicht so wichtig.

In den letzten Monaten – mit und ohne Lock-down oder mit und ohne Quarantäne – hatten wir ausreichend Gelegenheit nachzudenken, wie wir unter diesen Umständen die Feiertage mit der „begrenzten Teilnehmerzahl“ verbringen wollen bzw. können. Wenn man den Umfragen vertrauen kann, gibt es in diesem Jahr einen Konsumverzicht bei den Geschenken. Man hat keine Energie mehr, sich Supergeschenke für die Lieben auszudenken. Außerdem möchte man eher die lokalen Geschäfte unterstützen als mit ein paar Klicken alles über das Internet zu bestellen. Auch wenn es ein bisschen pathetisch klingt, wir alle sind für unsere Liebsten das wertvollste Geschenk – auch ohne Weihnachtspapier und goldener Schleife. Erst wenn man etwas nicht mehr hat, merkt man, wie wichtig das dann ist: wie z.B. die Umarmung eines geliebten Menschen. Wir spüren den Wunsch nach Nähe bei unserer täglichen Arbeit mit unseren Bewohnern – sozusagen als Stellvertreter ihrer Angehörigen. Wir, hier auf Eiderstedt, haben zum Glück nur eine geringe Fallzahl von Corona-Infizierten, trotzdem haben wir gesetzliche Auflagen (s.a. unter Rohde-Aktuell) für die Besucher unserer Einrichtungen, die auch über die Feiertage gelten und befolgt werden müssen. In diesem Corona-Jahr werden wir im engsten Kreis unserer Bewohner eine kleine Feier machen, um ihnen u.a. eine Möglichkeit zu geben, die Gerüche und den Geschmack rund um Weihnachten wieder noch einmal lebendig werden zu lassen.

Wenn wir in dieser schwierigen Zeit gemeinsam zusammenstehen, leuchtet uns allen das Licht der Zuversicht! Wir hoffen, dass wir nach den Impfungen im nächsten Jahr wieder ein normales Leben führen können – aber anders – das wissen wir. In diesem Sinne „Des Menschen Engel ist die Zeit“ sagte damals schon William Shakespeare.
Wir wünschen Ihnen und Ihren Familien ein gesegnetes Weihnachtsfest und ein gesundes Jahr 2021.

Ihre Heidi Rohde

P.S. Auf unserer Webseite finden Sie einen neuen Video-Clip „50 Jahre Seniorenheim Eiderstedt“. Sie sehen dort, wie wir vor 50 Jahren Weihnachten gefeiert haben.