Kolumne Juli 2022

Jetzt ist wirklich Sommer: Sogar in unseren Breiten wurden Temperaturen über 30°C gemessen. Das war nicht jedes Jahr so üblich. Die Klimakrise hat uns an der Nordsee langsam ein Mittelmeer-Feeling verbreitet, aber nur ein bisschen. Unsere spezielle Landschaft mit dem Unterschied zwischen Nord-und Ostsee kann und darf man nicht mehr mit der Mittelmeerregion vergleichen, genau wie die Menschen, ein bisschen ruppig, wortkarg aber liebeswürdig, gerne mit kurzen Hosen aber mit Mütze.

Geht es Ihnen auch so wie uns? Jedes Jahr freuen sich unsere Bewohner wie wir alle auf den Spargel und die Erdbeeren. Irgendwie ist es dieses Jahr anders: Vielleicht, durch die zwei Covid-Jahre oder weil, auch die Arbeiter von überall wegen der Ukraine fehlen. Unser geliebter Spargel war so teuer, dass man zweimal überlegen musste, ein Kilo zu erwerben. Inzwischen haben wir uns über die hohen Preisen zu Gemüse und Obst gewöhnt und langsam sind die Erdbeeren auch günstiger und es heißt, es wird eine Kirschenschwemme kommen, siehe da, am Ende wird doch alles wieder gut.

Wir Deutschen waren und sind die „Reisetanten“ in Europa. Vor
zwei Jahren durften wir unsere Reiselust wegen der Pandemie nur virtuell durch die Medien auskosten. Erinnern Sie sich noch, wie wir in dieser Zeit alle zu Hause bleiben mussten? Glück, wenn man dann einen Garten oder Balkon hatte, um ein bisschen Gefühl von Freiheit und Natur erleben zu können. Diejenigen, dann noch eine Ferienwohnung hatten und damit eine Option, den Lockdown zu mildern. Wissen Sie noch, als bei uns die Polizei die Bundesstraßen kontrollieren musste? Eine Maßnahme, um die Autos mit anderen Kfz-Kennzeichen auszufiltern, damit nur die Eigentümer mit Zweiwohnungen weiter fahren durften. Wie schnell hat sich unser Gehirn mit dem Kurzzeit-Gedächtnis das wieder vergessen. Zum Glück läuft alles wie immer, also wie vor zwei Jahren – auch wenn wieder die Angst vor Herbst und Winter stets präsent ist, ob wegen der neuen Corona-Welle, Heizölpreisen oder Gasmangel.

Wie schön, dass seit letzten Sommer wieder Hotels und Restaurants geöffnet wurden. Doch in den letzten Jahren haben sich ihr Personal – speziell in den Feriengebieten – drastisch reduziert. Die meisten Mitarbeiter waren oft nur in der Saison bei uns und danach ging es dann z.B. in die Skigebiete. Durch die Zeitspanne von fast zwei Jahren, haben diese zahlreichen Nomaden zwangsläufig versucht, in anderen Branchen Fuß zu fassen. Jetzt brauchen wir inzwischen dringend Mitarbeiter. Leider sind es dann die Arbeitszeiten, wie sie sich dann für eine Rückkehr negativ entscheiden. Diese Tendenz zeigt sich in unterschiedlichen Bereichen, ob Flughafen oder wie auch bei uns in der Pflege – leider. Wir haben aber über Jahrhunderte gelernt, mit dem Blanken Hans umzugehen, also auch das werden wir gut überstehen. Hauptsache unseren Bewohnern geht es merklich besser nach den Lockerungen. Und ja, wir freuen uns über jeden weiteren neuen Mitarbeiter. Wir wissen, wie wertvoll unsere Mitarbeiter, die seit Jahrzehnten bei uns sind, uns die Stange halten. Hierzu unseren tiefsten Dank für deren Einsatz.

In diesem Jahr scheint schon der Trend für die Ferien zu Mallorca zu gehen. So wie wir im Fernsehen, müssen sie dann in allen Flughäfen warten und warten, ob sie dann wirklich ihre richtigen Koffer finden, ist die Frage. Diese Erfahrungen der Reisetanten-Version scheint es uns nur peripher zu beunruhigen. Wir wissen, in dem nächsten Urlaub, werden sie wiederkommen, und wir werden weiter gute Gastgeber sein.

In diesem Sinne.