Kolumne Mai 2021

Wir wissen, der Mensch ist ein Gewohnheitstier – das ist nichts Neues. So haben in dieser Corona-Zeit Begriffe diverse Lock-Down-Arten, wie Brücken-Lock-Down, Wellenbrecher-Lock-Down und hoffentlich End-Lock-Down in unserer Sprache Heimat gefunden. In den Medien wird sogar das Verb „downlocken“ wie selbstverständlich eingesetzt. Es wird spannend, wie lange diese konstruierten Wörter noch zu finden sein werden. Langsam gibt es aber die Hoffnung, am Ende des Tunnels zu sein und ein bisschen Zuversicht scheint angemessen.

Willkommen in der Realität. Trotzdem hat man manchmal das Gefühl, in einer virtuellen Welt zu sein, weil alles so anders ist wie vor einem Jahr vor der Pandemie. Es gibt einen Zwiespalt zwischen Gefühl und Erkenntnis – das spiegelt sich im Verhalten der Menschen wider. Es bilden sich Typen aus. Es gibt die Starken, die sich überwinden und trotzdem oder gerade deshalb, mit kreativen oder karitativen Aktionen sich ein gutes Gefühl vermitteln: Nur die Starken kommen in den Garten. Dann gibt es noch diejenigen, die wenig Geduld und schwache Nerven haben und diesen Strudel von negativen Gefühlen nicht abwehren können. Sie stehen morgens traurig auf, schlafen abends traurig ein, obwohl sie wissen, dass es ihnen objektiv gut geht. Sie sind bisher von Corona verschont und ihr Kühlschrank ist voll. Doch das macht es nicht besser. Sie wünschen sich kleine Freuden im Alltag zurück, wie mit Freunden beim Lieblingsitaliener essen zu gehen oder einem Kino,-Konzert- oder Theaterbesuch und das ohne Auflagen. Diese kleinen Freuden sind eben der Unterschied zwischen leben und existieren. Wenn dabei diese zweite Möglichkeit überwiegt, gibt wiederum zwei Tendenzen: entweder zur Depression oder zur Aggression. Wir möchten aus psychologischer Sicht nicht die Auswirkungen und Aktionen beurteilen, aber sie sind uns für alle sichtbar. Für viele ist es schwer zu existieren, da zur Zeit kein echtes Ziel für Besserung realistisch zu sein scheint. Die Menschen brauchen den Glauben für einen ungefähren Zieltermin, auf den sie hinarbeiten können, wann denn endlich das echte Leben wieder geben wird. Diese Unsicherheit wegen den widersprüchlichen Aussagen macht uns alle zu schaffen. Das Ziel der Virologen und Epidemiologen ist eine Herdenimmunität unserer Bevölkerung zu erzeugen, wobei es wieder unterschiedliche Interpretationen gibt – wieder Unsicherheit. Wir glauben immer weniger, was uns die Experten sagen. Was bedeutet das? Das heißt Fatalismus und scheint die einzige Überlebensmöglichkeit für diese Gruppe zu sein.

Wie ist die Lage in einer kleineren Gruppe, z.B. in einem Seniorenheim? Unsere Bewohner schaffen es immer wieder, uns zu erden. In ihren langen Leben haben sie so viele Katastrophen überlebt. So glauben wir Ihnen, wenn sie sagen „…Wer dauernd an sein altes Leben gedacht hat, ist gestorben. Wir haben immer nur versucht, die Nacht zu überstehen und morgens aufzuwachen …“ Das ist wahrscheinlich die richtige Haltung, auch wenn es für uns alle schwer zu sein scheint. Die Bewohner erinnern uns daran, dass wir schon privilegiert sind. Durch beide Impfungen sind wir immun, was nur für einen Bruchteil der Bevölkerung gilt. Also sollten wir dankbar sein und jeder sollte versuchen, etwas Schönes zu sehen oder zu erleben – ist es noch so klein und unscheinbar. Man muss sich das nur immer wieder vor Augen machen. Vor Corona haben wir wahrscheinlich das meiste übersehen, wie die massive gelbe Pracht der Narzissen an den Straßen auf Eiderstedt oder die Freude, dass die Störche wieder in demselben Nest brüten usw. oder eine kleine Anekdote wie z.B. eine Tafel vor einem Geschäft „Nur eine Person gleichzeitig“. Das lässt uns schmunzeln, was wollen wir mehr? Der Wonnemonat Mai soll Ihnen Gesundheit, Glück und Freude schenken.

In diesem Sinne

Ihr Seniorenheim Eiderstedt-Team