Kolumne Januar 2023

Jetzt ist alles wieder da – als wären es nie weg gewesen: diese letzten Wochen von Weihnachten, die Tage zwischen den Jahren, Silvester und Neujahr und dieses alles einmal ohne Auflagen. Diese zwölf Nächte zwischen Weihnachten und Dreikönigsfest laden dazu ein, innen zu halten und sich zu entschleunigen. Die Monate des vergangenen Jahres zu reflektieren und sich auf das neue Jahr vorzubereiten. Inzwischen gehört Stille zu den fünf Grundbedürfnissen, die jeder Mensch von Geburt an hat – so wie es die Psychotherapeuten sehen: Essen und Trinken, Selbstbehauptung, sinnliches Vergnügen, Bindung und Rückzug. Stillwerden und Beisichsein haben etwas Regeneratives, dienen der Beschäftigung mit meinem Inneren. Der Philosoph Martin Heidegger hat die Stille als einen Ort beschrieben, wo Verborgenes Licht wirkt. Das tut uns zum Jahreswechsel besonders gut – dabei verflossene Lebenszeit ebenso wie Kommendes zu beleuchten. Eine Möglichkeit ist zum Beispiel einfach nur aufs Meer zu schauen – das macht einen innerlich ruhig und es lohnt sich, das zu probieren. Gerade am Jahresende leiden die Menschen nicht nur unter Einsamkeit, sondern auch zu Ratlosigkeit, da sie oft das Gefühl haben, den Erwartungen von sich selbst und anderen nicht genügen zu können. Es gehört aber auch zum Erwachsensein, sich von Verpflichtungen bewusst zu lösen. Dabei hilft dann die Frage, warum ich tue, obwohl ich es nicht will? Das führt zu Unzufriedenheit, Ärger und Wut. Wer das im neuen Jahr vermeiden will, muss sich klar werden, was er/sie wirklich will. Wir hoffen, dass Sie es schaffen, ihre Wünsche zu erfüllen und auch ihre Probleme in den Griff zu bekommen. Dabei kann die Stille die Kehrseite der Unruhe sein, dient der Reflexion und stabilisiert.

Wer‘n gooden Dag hebben will, de mutt sik en maken.
(Wer sich einen schönen Tag haben will, der muss ihn sich schon machen)

Nun zu aktuellen Themen, mit denen wir zu tun haben werden. Die Generation Work-Life-Balance stellt uns jetzt vor Forderungen. Diese Generation Y (Millennials) hat etwas Entscheidendes erkannt: Die Grenzen des qualitativen Wachsturms sind erreicht. Die Zeiten von höher, schneller, weiter wurde, um es am Gesundheitswesen festzumachen, gute Medizin häufig damit gleichgesetzt, die komplette Diagnostikmaschinerie zu fahren.
Der Raum für die sprechende Medizin wurde immer enger, auch begünstigt durch das Honorarsystem. Das gilt nicht nur im Krankenhaus sondern auch in unserem Bereich der Altenpflege. Die Zeit für Zuwendung ist begrenzt und wird nicht bezahlt, da die normalen Pflegeaufgaben wegen des Problems der Pflegenotstands priorisieren werden. Noch schlimmer ist – es fehlt die Ruhezeit bis zum nächsten Dienst. Auf diesem Grund nimmt die Generation Y nicht mehr alles einfach als gegeben hin. Auch die nachfolgende Generation Z, die ab 1995 Geborenen, tun es ihnen – zumindest in den älteren Jahrgängen ihrer Generation, längst gleich. Das Gesundheitssystem, wie viele andere Bereiche unserer ökonomischen getriebene Gesellschaft, steht an einem Kipp-Punkt. Wohlstand definiert sich in einer Welt, die von einer Krise in die nächste schlittert, anders als vor 30, 40 Jahren. Ob jetzt die neuen Generationen den Mut zu haben, die Wertewelt neu zu sortieren, ist dann die Frage und dabei hoffen wir auf Erfolg.

Für uns heißt das weiter: Alle Generationen sind trostbedürftig, wie es die Bischöfin Kirsten Fehrs sieht und sie wollten weiter behütet sein auch in diesem Jahr 2023. Das wünschen wir Ihnen.

In diesem Sinne: Lot susen, lot weihn, de Welt mut sick dreihn.
(lass sausen, lass wehen, die Welt muss sich drehen)

Ihr Seniorenheim-Eiderstedt Team