Kulumne Mai 2022

Endlich gibt es wieder Anlass zur Zuversicht – auch für diejenigen, denen nicht so gutgeht.

Wir hatten gehofft, dass im Frühjahr endlich wieder ein normales Leben beginnt, auch wenn die „Coronastürme“ noch nicht ganz abgeklungen sind. Die vergangenen Jahre, die uns Machtlosigkeit, Angst und Trauer bescherten, hält uns jetzt mit einem Krieg auf europäischem Boden unsere Welt in Atem. Doch statt zu lamentieren sehen wir auf einmal ein Volk, die Ukrainer aufstehen, dass uns das Prinzip Hoffnung vorlebt. Sie geben uns damit etwas, von dem sie offenbar nur sehr schwer lassen können: die Hoffnung. Hoffnung darauf, dass sich noch im Augenblick der tödlichen Gefahr, die Möglichkeit eines Auswegs auftut, wie eine unsichtbare Tür in der Mauer: Ein Flucht nach vorne. „Ohne Hoffnung gibt es kein Antrieb zum Handeln und ohne moralisches Handeln keine Freiheit“ so beschreibt es der Philosoph Ernst Bloch (1885-1977) dieses Phänomen. Diese Hoffnung wird aber kräftig auch die weltweite Unterstützung, auch aus Deutschland, aufrechterhalten. Die Hoffnung ist unverwüstlich und wird wie viele Jahrhunderte zuvor Theologen, Philosophen, Politiker und auch uns alle weiter beschäftigen. Jeden Tag sehen wir in den Medien Momentaufnahmen – wie diese Menschen dort alles erleben müssen und trotzdem empfinden sie Zuversicht. Das inspiriert und sollte uns auch ein Beispiel sein.

Weitere gute Nachrichten: Jeden Morgen gibt es gut zwei Minuten mehr Tageslicht, dazu zwei weitere am Abend. Ist das nicht wunderbar? Man spürt schon, dass die Tage länger werden. Jetzt beginnt das gute Teil des Jahres. Wir machen Pläne für den Sommerurlaub. Nun fallen nach und nach alle Pandemie-Beschränkungen und das Bedürfnis nach Schönheit kehrt wieder zurück. Zum Glück müssen wir unsere „Snutenpullis“ nur noch während der Fahrten mit den „Öffies“ oder auf Großveranstaltungen und zum Schutz unsere Alten und Kranken noch tragen. Viele trauen sich jedoch noch nicht und wollen in Geschäften weiter Masken tragen. Sollen sie. Es gibt Untersuchungen aus Frankreich, dass nach der Maskenpflicht der Verkauf von Lippenpflege nach einer Woche um 35 % gestiegen ist. In der dritten Märzwoche hatten mit 70% Zahnpasta und Kaugummi auch gute Zahlen. Der Trend in Frankreich geht mehr zur Farbe der Lippen – in Deutschland halten sich die Menschen in kosmetischen Fragen eher zurück. Es gibt sogar einen „Lipstick-Index“ zwischen ökonomischer Situation und den Verkaufszahlen von Lippenstift. Die Erkenntnis: Steht es schlecht für die Wirtschaft, kaufen Menschen vermehrt Lippenstift. In der Pandemie passt das nicht so recht zu dieser Theorie, denn 2020 registrierten Marktforscher ein Minus von 49 % bei den Lippenstiften und zu 32% bei Lippgloss. Die pandemiebedingte Lippenstift-Krise hatte pragmatische Gründe: Überall Maskenpflicht, niemand sieht sich mit schönen Lippen. Ganz anders verhielt es sich während dieser Zeit für die Wimperntusche. Der Absatz von Mascara nahm zu, in China sogar zeitweilig zum 150 %. Jetzt kehren die roten Lippen wieder zurück mit besserem Stil und hoffentlich mit mehr Selbstbewusstsein. Jetzt dürfen wir uns wieder in Schale schmeißen, um wieder Konzerte zu besuchen, in Clubs zu tanzen – oder was auch immer: alles wieder ohne Maske und ohne Abstand. Wir haben endlich dieses Gefühl wieder zu leben, wie wir es gerne möchten – mit oder ohne roten Lippenstift. Jetzt sind endlich wieder auch die Strandkörbe zu 90% reserviert – das ist Zuversicht! Für unsere Bewohnerinnen und Bewohnern das Wichtigste bleibt jedoch – mit oder ohne Mascara bzw. Lippenstift – dass sie gesund geblieben sind. Sie können hoffentlich bald auf Besuch von Familie und Freunde freuen: Endlich mal in der Sonne sitzen, sich in die Arme nehmen. Das ist nicht mehr Zuversicht, sondern pures Glück.

In diesem Sinne